Mein Job im Tier- und Außenbereich

Hallo, liebe Leser und Leserinnen der Gefangenenzeitung Diskus,

... ich möchte gerne etwas aus dem Jugendvollzug berichten, da aus meiner Sicht viel zu wenig über den Jugendvollzug im Diskus steht. Im Wesentlichen möchte ich etwas über die Arbeit mit den Tieren berichten, bzw. allgemein über die Arbeit in der Hofkolonne. Ich bin jetzt seit einem Jahr im Tiergehege und im Außenbereich des Jugendvollzugs tätig und muss sagen, das diese Arbeit viel Spaß macht, vor allem mit den Tieren.

Am Anfang wurde ich von Herrn R. auf Probe eingestellt. Die erste Aufgabe damals war in der Kirche einen neuen Teppich zu verlegen. Zuerst kam ich mir etwas fehl am Platz vor, da für mich Arbeiten anstanden wie Fegen, Müll wegräumen, Dinge von A nach B und dann doch wieder nach A zurückstellen, ich musste halt die Tätigkeiten machen, die wohl keiner gerne mag. Doch nach und nach traute Herr R. mir immer mehr zu, so dass ich einen roten Ausweis bekam, was mich auch echt erfreut hat, da ich bis zum heutigen Zeitpunkt echt viel dort gelernt habe, „nicht nur fegen oder Müll wegräumen“! Auch, dass man aus wenig viel machen kann und dass man nicht immer alles neu kaufen muss, damit es gut aussieht.

Wenn ich mir heute den Außenbereich anschaue, finde ich es erstaunlich, was man aus Natursteinen, etwas Zement und Holz alles machen kann. Was ich noch gelernt habe, ist, dass ich durch die tägliche Arbeit mit den Tieren sehr viel ruhiger geworden bin. Ich weiß noch, anfangs hat sich keine von den Ziegen oder Schafen von mir streicheln lassen. Sobald ich jetzt aber ins Tiergehege reinkomme, sind Sie alle sofort da und einer ist schon fast wie ein Hund und möchte nur gestreichelt werden.

Und das am besten den ganzen Tag lang (was leider nicht möglich ist). Ich persönlich finde es schade, dass sich nicht so viele dafür interessieren und deswegen schreibe ich jetzt diesen Brief um Euch einen kleinen Einblick zu vermitteln. Was ich zu dem noch ziemlich schade finde, dass viele inhaftierte Jugendliche den Job mit den Tieren oder überhaupt in der Hofkolonne nicht lange durchziehen, obwohl dies der beste Arbeitsplatz im Jugendvollzug ist.

Ich sag mal so: Nur die Arbeit zu schmeißen, weil man keinen Bock auf Fegen oder Müll wegräumen hat oder sich zu schade dafür ist, Unkraut zu zupfen, dass viele lieber sagen: „ Ich mach jetzt Liegevollzug und geh dann nicht mehr arbeiten“ das kann ich nicht nachvollziehen. Ich meine, jeder von uns weiß, dass man z.B. auch als Auszubildender am Anfang erst einmal „Auszubildender“ ist. Da kann man auch nicht sagen: Mach ich nicht, ich geh jetzt nach Hause! So wird man nie durchs Leben kommen. Und wenn man die Probezeit bestanden hat, gibt es in der Regel einen roten Ausweis, der besagt, dass man ohne Aufsicht arbeiten kann.

Gut, verdienen kann man dort auch, allerdings nur, wenn man gut arbeitet. Da es in letzter Zeit im Jugendvollzug viele Drogen gab, hat man unter anderen auch vermutet, dass die Hofkolonne Sachen in die Anstalt mit rein nimmt. Erst wollte ich mir einen anderen Arbeitsplatz suchen, da ich keinen Bock darauf hatte, dass man so etwas von mir denkt. Aber mir macht die Arbeit mit den Tieren echt Spaß. Wenn es mir mal nicht so gut geht, nehme ich einfach einen Eimer voller Brot, geselle mich zu den Tieren, füttere sie und das Gute ist: Die geben keine Widerworte.

Was ich dort noch gelernt habe ist, nicht gleich eine Aufgabe in den Sand zu setzen, nur weil es beim ersten Mal nicht so wird, wie man es sich vorstellt oder wie man es von sich erwartet. Was toll ist, wenn man die Aufgabe erledigt hat und richtig bei der Sache war und von deinem Chef die Worte kommen, dass das toll aussieht und dass man das gut gemacht hat. Das bestärkt einen richtig und eigentlich kannte ich das nicht und es spornt einen an, bei anderen Aufgaben noch gewissenhafter Dinge zu erledigen.

Ich hatte auch in den letzten zwei Monaten wieder so eine „Alles-egal-Haltung“ gegenüber meinen Arbeitsplatz entwickelt, was natürlich auch ein schlechtes Arbeitsklima mit sich bringt. Hätte ich die Chance, dann würde ich einige Sachen noch einmal ganz anders machen. Also dann freut euch und genießt es. Noch ein kleiner Tipp von mir: Schreit niemals euren Chef an, das ist ein ganz sensibler Typ. Und manchmal mögen die Aufgaben, die Herr R. einem zuweist, im ersten Moment sinnlos erscheinen, aber es ist kaum zu glauben: Sie haben alle einen Sinn. Arbeitet in der Hofkolonne und ihr werdet es selber herausfinden, was ich damit meine. Was ihr auf jeden Fall noch lernt, ist, dass man mit Sachen, die einem nicht gehören, pfleglich umgehen sollte. „Kostet alles Geld“! Man selber denkt: Ach, das kleine Ding, das mir kaputt gegangen ist, kostet ja nur 10,- Euro oder so, aber dies ein paar Mal hintereinander summiert sich auch ganz schnell in die Höhe. Es gibt ja nicht umsonst das Sprichwort: „Kleinvieh macht auch Mist“ In diesem Sinne wollte ich euch einmal mitteilen, was ich bis jetzt in der Hofkolonne erlebt und gelernt habe. Zu guter Letzt ein fettes Dankeschön an meinen „sensiblen Chef Herrn R., der es mit einem nur gut meint und der mir einige Sachen fürs Leben gezeigt hat.

An alle Leser und Leserinnen einen lieben Gruß


(Artikel gekürzt), Quelle DISKUS 70, Gefangenenzeitung der JVA Bremen, 03/2011