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Frau H., der wir vor zwei Jahren einen Briefkontakt zu einem Gefangenen vermittelt haben, schreibt:
„Diese Korrespondenz hat sich ausgesprochen erfreulich entwickelt und füllt inzwischen fast einen dicken Leitzordner. Herr F. - mit wenig Schulbildung und noch weniger echter Kommunikation in seinem Leben - hatte am Anfang beträchtliche Schwierigkeiten, sich schriftlich auszudrücken, seine Schreibweise war sehr sprunghaft, unbeholfen und floskelhaft; entsprechend unsicher fühlte er sich mir, der Schreibgewandten, gegenüber.

So bot ich ihm an, einfach an meinen Fragen „entlang“ zu schreiben und stellte ihm ganz viele Fragen. Da ich zu jeder seiner Antworten viele neue und verbindende Nachfragen stellte, fand er bald zu einer ihm bis dahin fremden Reflexionstiefe, stieß auf einige bedeutende und ihn richtiggehend aufwühlende „rote Fäden“ in seinem Leben und wurde immer eifriger und zugleich freier im Schreiben.

Inzwischen schreibt er frei von der Leber weg, meist richtig lange Briefe. Ich erzähle immer auch ein wenig von mir, er fragt auch mal nach oder kommentiert. Nach etwa einem Jahr habe ich ihn einmal in ... besucht, nun gibt es zum Brief sozusagen das Gesicht. Seit einiger Zeit ist er in ... Dort hat er die Möglichkeit zu telefonieren und dies ein paarmal genutzt. Es ist aber klar zwischen uns, dass unsere Beziehung primär die des Briefkontakts ist und auch bleiben soll.

Auch wenn ich oft schwer die Zeit zum Schreiben finde (ich habe ihm von Anfang an Antwort innerhalb eines Monats zugesagt): Diese Korrespondenz macht mir richtig Freude, weil ich spüre, wie gut sie Herrn F. tut. Und mir tut es auch sehr gut, mich so intensiv mit seinen Texten auseinanderzusetzen, mich in einer Weise in ein doch ganz anders verlaufen(d)es Leben hinein zu denken, dass eine wirkliche und wirksame Verständigung möglich wird."

aktualisiert am: 29. März 2010

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